Lieber Herr S.,
du kennst mich nicht, und auch ich kenne dich nicht. Dennoch sind wir uns heute begegnet; und wir beide waren sehr aufgebracht. Eigentlich wollte ich dich ansprechen, hatte aber nicht den Mut dazu. Anstelle dessen nun diesen Brief.
Wir sind uns heute im Wartezimmer meines Hausarztes über den Weg gelaufen. Als ich hereinkam saßt du [männlich, ca. 65-70 Jahre] bereits dort, in ein Gespräch vertieft, mit einer Frau in deinem Alter. Obwohl, Gespräch kann man das eigentlich nicht nennen. Eigentlich hast du sie nur vollgeschwallt. Aber darum soll es hier nicht gehen. Als ich das Wartezimmer betrat (mehr…)
Gerade die Tagesthemen geschaut.
Dort wurde in einem Beitrag hinsichtlich des bevorstehenden Bildungsgipfels in Dresden, der Präsident des deutschen Hochschulverbandes, Bernhard Kempen, interviewt. Dieser sagte vor den Kameras aus, dass die Einführung des Bachelors nicht so gelaufen sei, wie geplant. Die erwarteten Vorteile für die Studierenden nicht eingetroffen und das Projekt im Endeffekt gescheitert. Nun müsse man es reformieren.
Nun sieht sein Reformprogramm in erster Linie vor, die Vergleichbarkeit der Studiengänge an den Universitäten zu fördern. Dazu müsse auch das Kreditpunktesystem verbessert werden. Allerdings müsse auch die straffe Organisation der Studiengänge überdacht werden, da diese zu mehr Studienabbrechern, anstelle von Studienanfängern führe. In einer Presseerklärung schreibt der DHV, dass man die Schwierigkeiten
nicht als Kinderkrankheiten deklarieren
dürfe. Weiterhin wird Kempen zitiert:
Der Bologna-Prozess in Deutschland ist nur noch zu retten, wenn massiv gegengesteuert wird. Mit einem bloßen Nachsteuern ist es nicht getan
Bleibt zu hoffen, dass aus den Worten auch Taten folgen, und der kommende Bildungsgipfel nicht umsonst ist.
Heute in der Jura-Vorlesung. Der Dozent:
„Hätten wir [militärisch] gegen Liechtenstein eine Chance? Vermutlich ja. Obwohl so Bergvölker schwierig zu besiegen sind…“
Ob er da „das Bergvolk“ in Afghanistan im Kopf hatte? Mensch weiß es nicht.
Wenige Minuten später in einem anderen Zusammenhang: „So eine Revolution, Revolutiönchen kann ja jeder machen.“